Flirt mit dem Tod

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Autor: Klaus Servene

Regie und künstlerische Leitung: Limeik Topchi

Ton und Soundeffekte: Artem Gratchev

Gedichtvertonung: guramy

Mit: Margarita Zarkova, Michelly Nowlly, guramy und Reggy Nur

Im Sommer letzten Jahres wurde Shakespeares Drama „Der Sturm“ im Alten Volksbad in der Mannheimer Neckarstadt–West vielbeachtet und hochgelobt mehrfach aufgeführt. Der ehemalige Intendant des Ludwigshafener Theaters im Pfalzbau, Hansgünther Heyme hatte das Stück zweisprachig – auf Bulgarisch und Deutsch – inszeniert. Unterstützt wurde das Projekt von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und von verschiedenen Stiftungen und Sponsoren. Ziel war unter anderem, Deutsche und Bulgaren zusammenzubringen und in der Neckarstadt-West an Integration und Verständnis zwischen den Nationalitäten zu arbeiten.

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Nun führen Mitwirkende aus dem „Sturm“- Ensemble sowie Mitglieder der internationalen freien Theatergruppe „Unser Theater“ diese Idee fort. Hierfür haben sie sich ein Thema ausgesucht, das nicht nur Bulgaren und Deutsche, sondern nationalitätenübergreifend jeden Menschen betrifft. Es geht um nichts weniger als um den Tod. Autor des Bühnenstücks für drei Personen mit dem Titel „Flirt mit dem Tod“ ist der in Mannheim lebende Herausgeber, Schriftsteller und Theaterautor Klaus Servene. Regie führt Limeik Topchi, Prospero-Darsteller und Regie-Mitarbeiter im „Sturm“- Projekt von Hansgünther Heyme.

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Die groteske Handlung erzählt von einem musisch talentierten und künstlerisch interessierten Mann – im Stück „Mensch“ genannt – der unter seiner Arbeit leidet, die ihn nicht erfüllt, die ihm sinnlos erscheint und die ihm immer mehr Zeitinvestition und Lebensenergie abverlangt. Hinzu kommt, dass seine Freundin keinerlei Verständnis für ihn aufbringt, ihn stattdessen antreibt, endlich Karriere zu machen und für Haus, Garten und Sicherheit aufzukommen. Als der „Mensch“ eines Tages 6 Millionen Euro im Lotto gewinnt, scheint sich seine Situation plötzlich und unerwartet zum Guten zu verändern. Geblendet vom plötzlichen Reichtum vollzieht er in Windeseile die Wandlung vom unterwürfigen Versager zum protzig-überheblichen Großkotz. Ohne lange zu überlegen kündigt er überstürzt seine Arbeit. Stolz berichtet er seiner Freundin von seinem Gewinn. Die glaubt ihm aber nicht und denkt es handele sich einmal mehr um eine seiner üblichen Fantastereien und Hirngespinste. Hiervon unbeeindruckt schmiedet der „Mensch“ Pläne und malt sich in den buntesten Farben eine Zukunft aus. Klassisch, mit neuem Auto, Haus am Meer und Weltreise. Er ist derart berauscht von seiner neu erlangten Unabhängigkeit, dass er die Frau, die eines morgens vor seinem Fenster erscheint für eine Prostituierte hält, die – vom Geldsegen angelockt – zu ihm kommt, um ihm zu Diensten zu sein.

„Immer kommt die Ware zum Geld, so gehört es sich freilich!“

Der „Mensch“ kann nicht glauben, dass ihm der Tod in Gestalt einer schönen Frau erscheint und hält die entsprechenden Erklärungen der Frau für ein erotisches Spiel. Als er versucht sie anzufassen demonstriert sie ihm ihre Vernichtungskraft, sodass er sich vor Schmerzen krümmt und Todesangst bekommt. Nun, da er verstanden hat, versucht er vergeblich den Tod zu bestechen. Erst als er dem Tod eines seiner Gedichte aufsagt, das von Sehnsucht handelt und das seine romantische Seele offenbart, geht der Tod auf ihn ein und gerät selbst in Zweifel darüber, ob er seiner wachsenden Zuneigung zum „Mensch“ nachgeben oder seinen Auftrag ausführen soll.

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„Flirt mit dem Tod“ ist ein vielschichtiges Bühnenstück zwischen Drama und Romanze, eine Geschichte um den Widerstreit zwischen materiellen und geistigen Werten und um das Hin- und Hergerissen sein zwischen Geldgier und Todessehnsucht. „Flirt mit dem Tod“ wirft Fragen auf. Fragen nach Sinn und Unsinn unseres täglichen Strebens, nach unseren unerfüllten Erwartungen und Enttäuschungen, lässt nachdenken über die Konfrontation mit unserer Endlichkeit, und nicht zuletzt auch darüber, ob der Tod tatsächlich ein so schreckliches Image verdient hat, wie hierzulande üblich. In Bulgarien beispielsweise ist der Tod eine Frau, anderswo vielleicht ein Freund. Wer weiß?

„Flirt mit dem Tod“ verspricht ein spannendes Stück freies Theater zu werden, ein „Jedermann aus Mannheim“ sozusagen, ein Projekt, das die ursprüngliche Idee des „Sturm“ fortsetzt, indem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergründe Regie, Schauspiel, Technik und Bühnenbild gemeinsam erarbeiten und aufzeigen, dass die elementaren Dinge menschlichen Daseins über verschiedene Kulturen und Nationalitäten hinweg mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen.

Derzeit werden noch Sponsoren und Spielstätten gesucht.

Titelnennung/Credits

The Life and Death of a Certain K. Zabriskie, Patriarch (Chris Zabriskie) / CC BY 4.0
GREEN LEAVES (Jason Shaw) / CC BY 3.0
JENNY’S THEME (Jason Shaw) / CC BY 3.0
The War Drums Of Peace (The Marian Circle Drum Brigade) / CC BY 4.0
Quadrille Laurier (6ème Partie) (Isidore Soucy) / CC BY 4.0
Where The River Bends (P C III) / CC BY 4.0
Monkeybars (Andy G. Cohen) / CC BY 4.0
The Lark in the Morning/The Wandering Minstrel (James Morrison) / CC BY 4.0