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Film “Das goldene Mädchen”. Altes Volksbad, Mannheim | 18.11.2018

Das Märchen erzählt von einem Mädchen, das gezwungen wird, sich unter widrigen Umständen ein neues Zuhause zu suchen. Dieses Kinderschicksal haben Kinder der Neckarstadt-West unter der Regie von Limeik Topchi im Jahr 2017 auf klassische Art auf die Bühne gebracht. Finanziell wurde das Projekt vom Integrationsfond der Stadt Mannheim gefördert. Jetzt folgt der Film. Er erzählt das Märchen neu. Das Dorf wird zur Stadt und der Wald zu Kellerlabyrinthen. Den Zuschauer*innen erwartet ein modern erzähltes Märchen, mit Witz, Scharm, Groteskem und vielen weiteren Überraschungen.

Der Film ist ein Projekt der internationalen freien Theatergruppe „Unser Theater“. Mitgewirkt haben Kinder, Jugendliche und ihre Eltern der Theatergruppe „TheaterSpielen für Alle“ vom Quartiermanagement Neckarstadt-West. Er entstand durch das besondere Engagement von Limeik Topchi als Regisseur und Kameramann sowie durch Seffgi Topchi als Regieassistenz, Theaterpädagogin, Kostüm- und Maskenbildnerin. Den Schnitt übernahmen Tatiana und Artem Gratchev. Unterstützt wurde „Unser Theater“ von der Stadtteilinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit in der Neckarstadt und der Kinderbeauftragten der Stadt Mannheim.

Im Rahmen der Lichtmeile 2018

18.11.2018 Altes Volksbad, Neckarstadt-West, Mannheim
Beginn 13:00

Das Goldene Mädchen – Der Film | 19.10.2018

Animus Klub Bericht über unsere Premiere

Action zwischen Toilettentüren und Wasserrohren! – Unser Theater präsentierte eine außergewöhnliche Inszenierung des berühmten Bulgarischen Märchens!


Enorme Aufregung herrschte bei der Prämiere des ersten Filmes des Unser Theaters im Rahmen der„einander.Aktionstage 2018“. Besonders dem Regisseur Limeik Topchi sah man heute die große Anspannung an, die aber auch einen Hauch stolz in sich trug; war es doch ein ganz besonderer Moment, den Besuchern und Akteuren, allen voran den Kindern, das Debut im Cinema Quadrat auf Großbildleinwand präsentieren zu können.

Sehr viele Stunden harte Arbeit, Fleiß, aber auch Nerven kostet die Produktion eines Filmes. Mitunter dauert es einige Monate, manchmal sogar Jahre, bis man das endgültige Resultat vorführen kann. Gerade unser Vorsitzender Alexander Höfer kennt die Schwierigkeiten bei der Filmproduktion sehr genau. Er weiß wie viel Geduld und auch Liebe zum Detail vorhanden sein müssen, um im semiprofessionellen Bereich ein schönes und anschauliches Zeitdokument zu erstellen.

Dieses: „Oh ja, lass‘ uns einen Film machen!“, hört sich zwar immer sehr schön an, doch wenn es dann ans Eingemachte, ans Bearbeiten – an das Schneiden und das Nachvertonen – geht, da lässt die Motivation der Verantwortlichen meist doch sehr schnell nach. So gibt es im sozialen Jugendarbeitsbereich nur ganz wenige Sozialpädagogen oder Einrichtungen, die Teile ihrer Arbeit als Film präsentieren können.

Ein Theaterstück als Filmdrehbuch im Keller des Alten Volksbades neu zu inszenieren. Das Ganze auch noch aus mehreren Blickwinkeln zu filmen, moderieren zu lassen und zusammenzuschneiden, ist allerdings noch einmal eine ganz andere Hausnummer, und als Debut eine unheimlich große Herausforderung, um nicht zu sagen ein sehr gewagtes Unterfangen.

Aber Limeik Topchi ist ein Regisseur, der sich solchen Herausforderungen stellt, und der dann seine Akteure mit ganz großer Leidenschaft dazu motiviert dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Das Goldene Mädchen, das wir im letzten Jahr als Theaterstück bei derLichtmeile bereits live bewundern durften, wurde nun neu inszeniert und teilweise auch neu choreografiert und mit ein paar unheimlich lustigen Einlagen ausgestattet.

So beginnt das Märchen ein wenig anders, als beim Theaterstück der Lichtmeile und die düstere, ja fast schon horrorähnliche Atmosphäre der Kellerräume des Alten Volksbades wurde zusätzlich noch durch geniale Audio-Effekte – knarzende Türen, bedrohliche Geräusche, spannende Schritte und unheimliche instrumentale Soundeinlagen verstärkt.

Die Kinder, insbesondere die Hauptdarsteller agieren allesamt auf einem sehr hohen schauspielerischen Niveau. Gestik und Mimik, sowie die Dramaturgie sind beeindruckend, da häufig im Großbild eingefangen.

Auch maskenbildnerisch hat der Film einiges zu bieten. Spinnen, Teufel und Schlangen erscheinen nacheinander und nehmen nicht nur den Zuschauer, sondern auch das verlorene Mädchen gefangen.

Überraschende Gimmicks, sowie genial inszenierte, kurz eingeblendete Gestik und Mimik im Großformat, versetzten die Zuschauer ein ums andere Mal in heftiges Lachen oder großes Erstaunen. Die Verantwortlichen haben hier wirklich nicht an der Liebe zum Detail gespart, und zur Überraschung der Zuschauer, lieber hier und da noch ein wenig mehr Muße und Ideen hinzugefügt, um den Film noch unterhaltsamer und interessanter zu machen.

Dass das Goldene Mädchen am Ende dann auch noch genauso wie im richtigen Märchen davonfliegt, war dann die Krönung eines durch und durch gelungenen und sehr unterhaltsamen Filmes. So ernteten die Akteure dafür minutenlang ganz großen Applaus seitens des Publikums.

Klar, dass so eine besondere Premiere auch einen feierlichen Rahmen verdient hat. So haben die Verantwortlichen für die Kinder, deren Eltern und Gäste auch noch ein sehr fruchtiges Schwedisches Buffet vorbereitet. Zusätzlich organisierten die motivierten Kinder des Theaters einen Merchandise-Stand, an dem die Besucher DVD’s und Programmhefte kaufen konnten. Den Erlös wollen die Kinder für den Kauf einer Video-Drohne verwenden, die für das zweite große Filmprojekt benötigt wird.

Da die Kindergruppe  „TheaterSpielen für Alle“ keine gewöhnliche Theatergruppe ist, sondern sich fast ausschließlich aus Migrantenkindern zusammensetzt, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland wohnen, und der Regisseur Limeik Topchi hier gleichzeitig nicht nur versucht den Kindern auf diese Weise den Schöngeist der Deutschen Sprache zu vermitteln, sondern sie auch anleitet diesen sehr anschaulich und ausdrucksstark auf der Bühne oder im Film darzustellen, wurde dieses Theaterprojekt auch vomIntegrationsfond der Stadt Mannheim finanziell gefördert. Da im Vorfeld auch die Werbetrommel ganz kräftig gerührt wurde, rechneten die Verantwortlichen durchaus mit einigen Pressevertretern und politischen Verantwortlichen. 

Dass diese Anerkennung am Ende leider ausblieb, hatten die Kinder für ihre großartige Leistung nicht wirklich verdient, und so gebührte es Limeik Topchi am Ende alleine, sich bei seinen großartigen Helfern, allen voran bei seiner Schwester und Kamerafrau Seffgi Topchi, und den beiden für den Schnitt und die Nachvertonung verantwortlichen Cuttern Tatiana und Artem Gratchev, sowie der Kinderbeauftragten der Stadt Mannheim Birgit Schreiber für ihre Hilfe und Unterstützung in aller Form zu bedanken. 

Fotos und Text: Animus Klub

Alt und Jung spielen gemeinsam. Ida-Scipio-Heim, Mannheim | 05.10.2018

„Alt und Jung spielen gemeinsam“

Eine interaktive und partizipative Performance

In Kooperation mit der freien internationalen Theatergruppe “Unser Theater” und Bewohner*innen des Ida-Scipio-Heims entsteht aktuell das Projekt “Jung und Alt spielen gemeinsam”. Die Projektidee: Jugendliche der Theatergruppe interviewen die Bewohner*innen des Altenpflegeheims Ida-Scipio und entwickeln auf der Basis der lebensbiographischen Erinnerungen und Erfahrungen eine interaktive Performance, die eine intergenerative Brücke schlägt und wechselseitige Wertschätzung zwischen Alt und Jung zum Ausdruck bringt. Im Ergebnis steht eine künstlerische Darbietung, die Neugierde weckt und das gegenseitige Verständnis zwischen jungen und alten Menschen fördert. Die Mischung aus Theaterstück und Videosequenzen entsteht unter der Leitung von Limeik Topchi in Bezug auf die Inhalte der geführten Interviews. Zum Abschluss des Projekts wird am 05. und 06. Oktober 2018 diese interaktive und partizipative Performance für die interessierte Öffentlichkeit aufgeführt.

Datum:
05.10.2018 & 06.10.2018

Uhrzeit:
17:00 – 19:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Ida-Scipio-Heim, Murgstr. 2-6, 68167 Mannheim

Eintritt
Frei

Veranstalter*innen

Eine Kooperationsveranstaltung im Rahmen der einander.Aktionstage 2018
http://www.einander-manifest.de/einander-kalender.html


Die Hamletmaschine. Fröhlichwerkstatt, Mannheim | 12.11.2017

„Die Hamletmaschine“ Lese-Performance

12.11.2017, Sonntag, um 19:45 Uhr und um 20:45 Uhr

Der Dramatiker Heiner Müller schrieb das Theaterstück „Die Hamletmaschine“ im Rahmen seiner Übersetzungsarbeit an Shakespeares „Hamlet“. Ein nur neunseitiger Text, zutiefst persönlich und zugleich politisch. Ein Hohelied des Welt-Theaters – und dessen Abgesang…

Künstlericher Leiter: Limeik Topchi
Mitwirkende: Esther Reche Gallardo, Limeik Topchi und Michelly Nowlly

LICHTMEILE 2017
LITERATUR AN UNGEWÖHNLICHEN ORTEN

Fröhlichwerkstatt Mannheim Neckarstadt | Fröhlichstraße 61-63

Nathan der Weise. Museumsschiff, Mannheim | 08.07.2017

Aufführung Museumsschiff

08.07.2017, Samstag, um 21:00 Uhr
Kurzeinführung 20:30 Uhr

Ort

Müllers Restaurant & Café-Lounge (auf dem Museumsschiff), Luisenring 49, 68159 Mannheim

Gebühr

12 € VVK, 14 € AK, 10 € ermäßigt für Schüler, Studenten

Weitere Aufführungen

Theater Mobile, Zwingenberg an der Bergstraße

29.09.2017
Obertor 1, 64673 Zwingenberg, 19:30 Uhr

Kartenvorverkauf

Mannheimer Morgen. Das Hohe Lied der Toleranz | 26.04.2017

Das Hohe Lied der Toleranz

26. April 2017 Autor: Sylvia Osthues

Nathan der Weise in der Kulturkirche Epiphanias, gespielt von der Internationale Freien Theatergruppe. Annette Hammerstein im Dialog mit Leo Kawe (Tempelherr, l.), rechts: Der Klosterbruder (Klaus Becker) bekommt den Kopf gewaschen.
© Prosswitz

Können verschiedene Religionen und Kulturen sich im gemeinsamen Menschlichen versöhnen? In Zeiten, da mit Waffengewalt Demokratie erkämpft wird, Extremisten jedweder Glaubensrichtung und politischen Gesinnung Terror verbreiten und Menschen auf der Flucht auf Grenzen stoßen? Mehr als 200 Jahre nach Lessing sind seine Fragen aktueller denn je. Limeik Topchi geht in seiner Inszenierung von “Nathan der Weise” dem Potential von Lessings Parabel nach und fragt bei der Aufführung in der Kulturkirche Epiphanias nach dem Nathan von heute.

Von Lessings Sprache gefesselt


Gibt es ihn oder muss seine Vision für ein friedliches Zusammenleben der Religionen immer wieder neu behauptet werden? Ein Stück, das nicht besser in die Kulturkirche Feudenheim passen könnte. “Die Kulturreihe im zweiten Jahr ist ein Erfolgsprojekt”, freute sich Organisator Werner Besier. Das bewiesen auch die 152 Besucher, die nicht nur aus Feudenheim kamen. Auf der Bühne stießen verschiedene Religionen und Kulturen aufeinander – im Spiel und in der Realität.
“Unser Theater” ist eine Internationale Freie Theatergruppe. Sie hat aus Bulgarien stammende Schauspieler und Regisseur Limek Topchi, der schon in Hansgünther Heymes “Gilgamesch” in Ludwigshafen auf der Bühne stand und auch in Heymes “Sturm” in der Neckarstadt-West mitwirkte, aus diesen Aufführungen und dem freien Theaterspiel an der Abendakademie Mannheim requirierte. Die Sprache von Lessing habe ihn schon immer gefesselt, erzählte Topchi.

Seine Inszenierung ist eine neue Interpretation der Ringparabel, die den Kern des Stückes bildet und als Schlüsseltext der Aufklärung gilt. Nathan ruft Vertreter aller Religionen zusammen und reicht ihnen mittels der Parabel die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben, religiöse Toleranz und vorurteilslose Liebe – auf dass der Mensch in Würde frei sein kann.
Zwar ist die 200 Jahre alte Sprache noch immer das tragende Fundament in Tocchis Inszenierung. Doch sie wird bereichert durch moderne Videosequenzen, die in der Neckarstadt-West spielen. Der Besetzung der Rollen ging eine intensive Charakterstudie voraus. Das führte dazu, dass Tocchi Nathan und den Sultan am Ende mit zwei Frauen besetzte, die ihre Rollen überzeugend verkörperten. Monika Loser strömt als Nathan eine beeindruckende Ruhe aus. Auch wenn die hohe Stimme beim Sultan ein wenig irritierte, so brachte Brigitta Martin seinen Charakter dennoch glaubhaft rüber. Den Tempelherren (Leo Kawe) hat Tocchi im Cohrs in der Neckarstadt-Ost entdeckt. Der Medizinstudent, der auf einem Skateboard auf die Bühne rollt, bewies schauspielerisches Talent.
Großartig auch Betül-Bengü Soyupak als Recha und Larissa Fritsch als Schwester des Sultans. Doch zwei spielten alle anderen an die Wand: Annette Hammerstein, die ebenso gut singt und tanzt, überzeugte vor allem durch ihr Spiel zwischen liebedienerisch und intrigant. Großartig auch Klaus Becker als Klosterbruder, ausdrucksstark in Mimik und Gestik. Die Botschaft Lessings vor künstlerisch gestalteten Kulissen (Spartak Paskalevski) kam bei den Zuschauern an, die mit begeistertem Applaus die schauspielerische Leistung belohnten.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 26.04.2017