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Morgens Yoga, abends Schnaps | 10.05.2021

Der sehenswerte Kurzfilm „Thorsten Danner im Corona-Blues“ von Limeik Topchi

rheinpfalz.de 

Der Schauspieler Thorsten Danner kann der Pandemie auch Gutes abgewinnen. Aber nicht besonders viel.Foto: Limeik Topchi

Nicole Sperk

Montag, 10. Mai 2021 

Um die Leere im Lockdown wenigstens ein bisschen zu füllen, dreht der Mannheimer Regisseur Limeik Topchi zurzeit mit seiner freien Film- und Theatergruppe „Unser Theater“ Kurzfilme. Der zweite ist jetzt bei Youtube veröffentlicht worden. Er erzählt von „Thorsten Danner im Corona-Blues“.

Thorsten Danner ist keine Romanfigur, er ist ein echter Mensch. Schauspieler und Mannheimer. Er war zehn Jahre lang Ensemblemitglied des Nationaltheaters und ist seitdem freischaffend tätig, auf Bühnen in ganz Deutschland und immer wieder auch in Österreich, wo er einst zum Schauspieler ausgebildet worden ist, am Konservatorium der Stadt Wien.

Wie der deutsche Wald ohne Regen“

Zurzeit hat Thorsten Danner aber nicht so viel zu tun, manchmal wochenlang gar nichts. „Ich fühle mich wie in einer riesigen Dürreperiode“, sagt er in Limeik Topchis Kurzfilm, „ich fühle mich wie der deutsche Wald ohne Regen.“ Er spricht über diesen Zustand in der Kulisse des Alten Volksbads in der Neckarstadt-West, zwischen uralten Wasserhähnen und moderner Kunst, in einer Badewanne liegend, Liegestütze an Wasserrohren machend. Danner spricht über die positiven Seiten von Corona, darüber, dass seine Eltern gesund sind, er selbst seit zwei Jahren keine Grippe mehr hatte, an der Supermarktkasse nun ein wohltuender Abstand gehalten wird. „Früher wurde man von der Hinterfrau im Supermarkt ja mit dem Einkaufswagen regelrecht in den Arsch gefickt“, wird er ein paar Minuten später noch sagen und sich über seinen Zusatz diebisch freuen: „Haben Sie gemerkt? Ich habe nicht das generische Maskulinum gebraucht.“ Wir sehen jemandem zu, der es genießt, endlich mal wieder eine Rolle spielen, sprich: seinen Beruf ausüben zu dürfen. Der gerne den Boshaften raushängen lässt, als er darüber sinniert, dass der Kollege, den er nie wirklich leiden konnte, nun als Fahrer bei Lieferando arbeitet und ihm manchmal Pizza in den vierten Stock bringt.

Einsamkeit und Angst

Vor allem aber sehen wir jemanden, der unter der Situation leidet, den der „ewige Lockdown“ langsam innerlich aushöhlt, der sich „grau wie Packpapier“ fühlt, der unter Einsamkeit leidet und unter der Angst, dass es ein Theatersterben geben wird und er vielleicht in Zukunft nicht mehr gebraucht werden wird. Danner lässt den Zuschauer (generisches Maskulinum!) sehr nah herankommen an sich, teilhaben an seinen Gedanken, Ängsten, an seiner Analyse der Situation: „Das Problem ist: Ich verdiene nicht annähernd so viel wie Til Schweiger.“

Der Regisseur Limeik Topchi bleibt die ganze Zeit stumm im Hintergrund. Er hat ein kurzes, aber großes Werk geschaffen, das diese sehr merkwürdige Zeit dokumentiert, in der jeder eigene Wege finden muss, mit Problemen umzugehen. Bei Thorsten Danner hat sich eine Kombination aus Lösungen als richtig erwiesen: morgens Yoga, abends Schnaps. Und der Rest, sagt er am Ende trocken, sei hinter der Bezahlschranke: „Komm doch ins Theater!“ Würden wir. Wirklich. Unglaublich gerne.

Filmpremiere »THORSTEN DANNER IM CORONA-BLUES«

Der zweite Kurzfilm von Limeik Topchi in seiner Reihe „Kreative Interviews“ ist fertig. Premiere ist am Freitag, dem 30. April ab 20:00 Uhr auf Youtube.

„Ein Meisterwerk“ nannte die Rheinpfalz den ersten Film dieser Reihe mit Monika Margret-Steger.

Ihr Schauspielerkollege Thorsten Danner führt den Dialog weiter. Eine lockdownkonforme 1 zu 1 Situation zwischen Danner und dem fragenden und filmenden Topchi. Den Schnitt des umfangreichen Materials und das Endergebnis besorgten seine langjährigen künstlerischen Begleiter Tatiana und Artem Gratchev. Topchi ist (wie im ersten Film) nicht zu sehen und zu hören.

Zwei freischaffende Theatermacher in der Existenzkrise auf Augenhöhe: Heyme-Mitarbeiter, Regisseur, Kameramann und Schauspieler Limeik Topchi („Der Sturm“, „Flirt mit dem Tod“, „Nathan der Weise“ und vieles mehr.) Thorsten Danner, Kosminski-Mitarbeiter, Erfahrungshorizonte am Stuttgarter Staatstheater, Mannheimer Nationaltheater, in Österreich und an vielen weiteren renommierten Theateraltären.

Beide für diesen Film jetzt im ausrangierten alten Volksbad in Mannheim. Pass genau zur Hygieneverkonzeptionierung des öffentlichen Lebens. Zwischen gewaltigen Leitungsrohren und Badekabinen mit Emaillewannen. Thorsten Danner „leibt und lebt“ im ersten Teil des Films gewissermaßen in einem Hygienebunker. Macht sich wach, treibt ein bisschen Yoga, stellt sich vor, bettet sich in eine Badewanne:

„Wenn die Spinnen über mich wachsen, bitte macht sie in einem Monat wieder weg … es hört nicht auf!“

Danner hört Stimmen (wie von einem unsichtbaren Publikum) … es zieht ihn als Vollblutschauspieler zum Publikum. In eine Rolle. Und er findet sich im zweiten Teil des kurzen Films auf einer leeren Bühne. Sitzt auf einem Stuhl, isst eine Kleinigkeit, verschluckt sich, hält in der einen Hand eine Pistole. Was er damit wohl vor hat?

Gut, dass seine Eltern gesund sind. Dass er seit Langem keine Grippe gehabt hat. Gut der Abstand beim Einkaufen. Was einem alles NICHT fehlt! Was einem plötzlich noch wichtiger geworden ist!

Einsamkeit und Zweifel: Wie viele Theater werden sterben? Wird er, Danner, seinem Beruf noch nachgehen können? Wann wird das sein?

Als Lieferando-Kurier, als „Pixel auf der Weltkarte des Kapitalismus“ wird er nicht enden. Auf keinen Fall! Verrenken, erniedrigen? Doch nicht Thorsten Danner! Hoffnung? Aktuell: Morgens Yoga, abends Schnaps. Und langfristig? Schauspieler sein, hinter irgendeiner Bezahlschranke!

Das Projekt „Kreative Interviews“ wird vom Kulturamt der Stadt Mannheim gefördert. Künstler*innen werden Fragen zu ihren persönlichen Erfahrungen und Zukunftsperspektiven während und nach dem Lockdown gestellt.

Die Bittstellerin im Theater: Ein „kreatives Interview“ als kleines Meisterwerk | 07.04.2021

rheinpfalz.de

Die Schauspielerin Monika-Margret Steger ist seit ihrem Engagement im Mannheimer Nationaltheater ein Urgestein der freien Szene im Rhein-Neckar-Raum. Hier eine Szene aus dem Kurzfilm mit ihren Kaninchen Ophelia und Othello. Foto: Limeik Topchi 

Heike Marx

Mittwoch, 07. April 2021 

Erst Kuscheln mit Kaninchen, dann als Bittstellerin ins Theater: In dem Kurzfilm „Mehr Zeit für Ophelia und Othello“ wird die Schauspielerin Monika-Margret Steger durch den Lockdown begleitet. Der Mannheimer Regisseur Limeik Topchi nennt seine halb dokumentarischen, halb inszenierten Filme „kreative Interviews“, und ihm ist zum Auftakt der Reihe ein kleines Meisterwerk gelungen.

Um Shakespeare geht es nicht. Ophelia und Othello heißen die beiden Kaninchen von Monika-Marget Steger, für die sie jetzt mehr Zeit hat. In der Art einer klassischen Dokumentation begleitet der Film die Schauspielerin im ersten Teil vom sommerlichen Garten, als nach der ersten Welle wieder etwas Luft war, über leere Stuhlreihen im Herbst bis in den verschneiten Park. Im Sommer klingt „Mehr Zeit für Ophelia und Othello“ zu haben, noch zuversichtlich, obwohl … wie sie sich an die Tiere klammert … Warum hat Topchi diesen Satz als Titel gewählt? „Weil ich ein optimistischer Mensch bin“, sagt er.

Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“

Denn der zweite kreative Teil des Films ist eine rabenschwarze Inszenierung von Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“. Das Gesetz, in das der arme Mensch nicht hinein darf, ist mit einer roten Tür zugesperrt. Es ist der Eingang zur Bühne im Theater im Pfalzbau. Monika-Margret Steger ist im Wechsel der Türhüter und der Bittsteller. Im Film ist das überzeugender zu inszenieren als live auf der Bühne. Der Türhüter ist distanziert und herablassend: Vielleicht darf der Bittsteller ja irgendwann hinein, aber jetzt nicht. Als die Tür einmal einen Spalt aufgeht, sieht man die vertikalen schwarzen Strukturen der Seitenbühne. Der Türhüter versperrt den Eingang und droht dämonisch mit immer mächtigeren und brutaleren Wächtern im Inneren, die der Bittsteller niemals überwinden könnte. Der wartet und wartet, geduldig und so klein, dass man ihn fast gar nicht sieht und nur seine Stimme hört, die schwächer und schwächer wird. Bis er sein einziges und individuelles Leben aushaucht, das hinter dieser Tür gelegen hätte, wo nun der Dämon mit satanischem Gelächter auf einem Stuhl mit Rollen durch den leeren Bühnenraum kurvt.

Dem Filmemacher und der Schauspielerin ist mit der Szene ein kleines Meisterwerk gelungen, das mit gespenstischer Eindringlichkeit die kafkaeske Situation ausleuchtet, die wir derzeit durchleben. „Es ist ein gemeinsames Projekt. In wunderbaren Gesprächen fliegen die Ideen hin und her wie der Ball in einem Tennisspiel“, kommentiert Limeik Topchi den Entstehungsprozess.

Eine im „Krisenmodus“ entstandene Idee

Monika-Margret Steger, gebürtige Österreicherin, wurde nach ihrem ersten Engagement am Mannheimer Nationaltheater zu einem Urgestein der freien Szene in der Rhein-Neckar-Region. Der Bulgare Limeik Topchi kam vor zehn Jahren mit einer abgeschlossenen Theaterausbildung nach Mannheim. Zwei Jahre später gründete er hier die internationale Gruppe „Unser Theater“. Künstlerisch Fuß fassen konnte er dank Hansgünther Heyme, dem vormaligen Intendanten des Theaters im Pfalzbau. An dessen Inszenierung des Gilgamesch-Epos 2014 wirkte er als Regie-Assistent und Darsteller mit. 2015 folgte „Der Sturm“ von Shakespeare als deutsch-bulgarisches Projekt (In Mannheim leben um die 10.000 Zuwanderer aus Bulgarien), in dem er neben Regie-Assistenz und Darsteller-Training auch die Hauprolle des Prospero spielte.

Zur Untätigkeit verdammt wie alle in der freien Szene, geriet Limeik Topchi in den „Krisenmodus. Mein Kopf arbeitete ständig, was können wir machen. Da kam mir die Idee, die Kamera zur Bühne zu machen.“

Das nächste „kreative Interview“ ist in Arbeit

Dass er mit der Kamera umgehen kann, kam so: Die Kinder in dem Kurs des Theaterpädagogen wollten ihr Stück möglichst oft spielen, aber das war schwer zu organisieren. Sie kamen mit dem Vorschlag, einen Film zu machen. Auf Youtube könnte ihn dann jeder anschauen. „Ich wollte die Kinder nicht enttäuschen“, erzählt Topchi. „Ich habe eine Fortbildung gemacht und mir eine professionelle Kamera gekauft.“ Das war 2018. Seitdem hat er noch ein paar Filme gedreht. Wie gut, dass er schon konnte, was man als Theaterschaffender derzeit so nötig braucht.

Seine kreativen Interviews haben als festen Rahmen die Zweiteilung in inszenierte Statements und „aktuelle Werkstatt“. Als nächste Folge schon in Arbeit ist ein Film mit Lisa Massetti. Das Projekt wird vom Mannheimer Kulturamt kofinanziert. Die Hälfte muss Topchi durch Spenden aufbringen. „Das ist äußerst schwierig“, sagt er. „Für „Mehr Zeit für Ophelia und Othello“ habe ich drei private Sponsorinnen gefunden. Für die Fortsetzung des Projekts suche ich noch.“

Im Netz

Mehr Zeit für Ophelia und Othello“ auf Youtube und über die Plattform mannheim-zusammen.de

Filmpremiere “Mehr Zeit für Ophelia und Othello“

Filmpremiere  »MEHR ZEIT FÜR OPHELIA UND OTHELLO«

Am Welttheatertag, 27. März 2021 auf youtube

Was denken und tun kreative Köpfe, angesichts eines verhängten totalen Lockdowns?
Richtig: Sie schalten in den Krisenmodus. Improvisieren. Mobilisieren ihre Fantasie.

“Und weil der Himmel wahnsinnig blau war, die Einkaufsmeile total leer und die Stille angenehm spürbar” (Filmzitat), sprang das Kino im Kopf an. KOPFKINO. Flutete NON-STOP die hypersensibilisierte Künstlerseele mit immer neuen Vorschriften, Verboten, Verordnungen. Verstellten Türsteher, Safe- und Bodyguards die Aussicht und Möglichkeit auf Film, Gesang und Bühnentanz. Ausgeträumt die grenzenlose Freiheit.

Der künstlerische Leiter Limeik Topchi: “Künstler*innen sind auch in der Corona-Zeit kreativ und aktiv. Das wollen wir zeigen. Von daher freuen wir uns, am Samstag, dem 27. März, die erste Realisierung unserer Filmidee „Kreative Interviews“ zu präsentieren. Ab 20: 00 Uhr ist auf Youtube und auf der Plattform mannheim-zusammen.de der Kurzfilm „Mehr Zeit für Ophelia und Othello“ abrufbar.”

Das Projekt „Kreative Interviews“ in der Corona Pandemie entstand in Kooperation mit dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen und wird vom Kulturamt der Stadt Mannheim gefördert. Künstler*innen werden Fragen zu ihren persönlichen Erfahrungen und Zukunftsperspektiven während und nach dem Lockdown gestellt. Neben den künstlerischen Disziplinen Schauspiel, Regie, Musik, sind ebenso existentielle Fragen Teil der Filmsequenzen. Nun ist das erste Statement (Teil I und Teil II) aus der Sparte Schauspiel fertig. Das Kino im Kopf.

Unorthodox in der Machart, stellt der dokumentarisch inszenierte Kurzfilm »MEHR ZEIT FÜR OPHELIA UND OTHELLO« des in Mannheim lebenden Regisseurs und Heyme-Adepten Limeik Topchi die Frage nach Sinn oder Irrsinn eines verordneten Stillstands. Kafkas Türhüterparabel “Vor dem Gesetz”, performt von der Schauspielerin Monika-Margret Steger, beleuchtet schlaglichtartig den ganzen Wahnwitz angesichts eines nicht enden wollenden Countdowns. Der aus Shortcuts montierte Schlussakt veranschaulicht eindringlich den aktuellen künstlerischen Stillstand. Zeigt die Bühne als traurigen, verlassenen Ort, aber auch als Hoffnung auf einen Neustart des kulturellen Lebens.

Text:  Elvira Richter
www.kultisch.net

Pressefoto: Ophelia & Othello, © 2021 Limeik Topchi

Spielfilm “Heidelberger Stars” Atlantis Kino | 15.10.2020

Heidelberger Stars

Frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm „Die Bremer Stadtmusikanten“

Kinder, Jugendliche und Eltern der Neckarstadt-West sowie viele andere Mannheimer*innen haben den Film gedreht. Die Story: Esel, Hund, Katze und Hahn leben als Menschen im heutigen Mannheim. Mit einfachen Jobs verdienen sie ihren Lebensunterhalt und verlieren ihn wieder. Gemeinsam folgen Sie dem Aufruf, nach Heidelberg zu kommen und Stars zu werden. Filmdauer 57 Min.

Wann?

Am Freitag, den 15.10.20, 19:00 – 20:30 Uhr

Veranstaltungsort

Atlantis Kino K2, 32, 68159 Mannheim

Veranstalter*innen

Internationale Freie Theater-Filmgruppe „Unser Theater“

Kinderbeauftragte der Stadt Mannheim

Eintritt

Frei – Spenden sind erwünscht!

Diese Filmveranstaltung findet im Rahmen der einander.Aktionstage 2020 statt.

https://einander-aktionstage.de/event/spielfilm-heidelberger-stars/

“Heidelberger Stars” feiern Premiere | 16.12.2019

Mannheim.de:

Frei nach dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ haben Kinder, Jugendliche und Eltern der Neckarstadt-West sowie vielen andere Mannheimer*innen den Film „Heidelberger Stars” gedreht. Entstanden ist der Film in den Stadtteilen Schönau, Innenstadt, Neckarau, Lindenhof und Neckarstadt-West. Gestern feierte er im Cineplex Mannheim seine Premiere.

„Dieses Projekt zeigt, dass unser Zusammenleben immer dann gut funktioniert, wenn wir Dinge gemeinsam gestalten“, stellte Bürgermeister Dirk Grunert im Vorfeld der Premiere des Spielfilms „Heidelberger Stars“ fest – eine Story frei nach den „Bremer Stadtmusikanten“ mit dem Fokus aufs Hier und Heute. Das Märchen der Gebrüder Grimm hatten Kinder und Jugendliche der Neckarstadt-West bereits mit großem Erfolg als Theaterstück bei der Lichtmeile 2018 aufgeführt. Für den Film haben sie die Geschichte weiterentwickelt und nach Mannheim verlegt.  „Ich bin sehr gespannt auf das, was wir da jetzt gleich auf der Leinwand sehen werden“, sagte der für Bildung, Jugend und Gesundheit zuständige Dezernent im vollbesetzten Kino 3 im Cineplex. Doch auch ohne den Film zu kennen, sei bereits jetzt festzuhalten, dass das Projekt in vielerlei Hinsicht besonders und beispielhaft sei. „Vielleicht haben Sie, liebe Eltern, neue kreative Seiten an Ihren Kindern entdeckt“, so Grunert. Die jungen Darsteller*innen ihrerseits hätten während des Drehs gelernt, sich immer wieder auf neue Situationen, unterschiedliche Drehorte und ihre Mitspieler einzulassen. „Es wurden Freundschaften geschlossen, und ihr habt bei der Gelegenheit andere Stadtteile und auch das Mannheimer Rathaus kennengelernt“.

Aus Sicht der Medien- und. Kommunikationswissenschaftlerin nannte die Projektleiterin von „Girls go movie“, Dr. Kathrin Lämmle, weitere Aspekte: In Zeiten, in denen die Bewegtbild-Kommunikation immer mehr an Einfluss gewinne, sei es wichtig, etwas darüber zu wissen, wie mittels Kamera- und Toneinstellung sowie der Auswahl von Musik und Licht bestimmte Bilder und Stimmungen bei den Zuschauer*innen erzeugt werden können. „Wer selbst Film macht, lernt auch Film zu sehen“, fasste es Lämmle unter dem Stichwort Medienkompetenz zusammen. Die Kinder und Jugendlichen hätten sich gemeinsam Dialoge und Drehorte überlegt und dabei wiederum gelernt, dass man Dinge aus verschiedenen Perspektiven sehen und Figuren unterschiedlich beleuchten kann. Letzteres haben die jungen Menschen auch getan und ein sehr aufmerksames, authentisches, lebendiges und auch kritisches Zeitdokument geschaffen.

Im Film wurden aus Esel, Hund, Katze und Hahn jeweils zwei Menschen, die in Mannheim leben und sich mit einfachen Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen. Alle verlieren von heute auf morgen ihre Arbeit. „Ihr habt dabei sehr gut herausgearbeitet, dass dies aus unterschiedlichen Gründen geschieht“, lobte Birgit Schreiber, Kinderbeauftragte der Stadt Mannheim und zugleich Produktionsleiterin. Wie die Bremer Stadtmusikanten, führt auch die Mannheimer*innen der Zufall zusammen. Als sie sich die Aufführung eines Straßenzirkus anschauen, werden sie angesprochen: „Wir suchen Sie für unsere Zirkusshow“, werben die Artist*innen, und die Mannheimer*innen folgen dem Aufruf, nach Heidelberg zu kommen um Stars zu werden. Frisch eingekleidet werden sie auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle Zeug*innen eines Taschendiebstahls und verfolgen die Räuber*innen.

Der 57-minütige Spielfilm ist eine Produktion des Fachbereiches Demokratie und Strategie, der Kinderbeauftragten der Stadt Mannheim und der internationalen freien Theater-Filmgruppe „Unser Theater“. Er wurde vom Integrationsfonds Südosteuropa der Stadt Mannheim, der Stadtteilinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit in der Neckarstadt sowie vom Bezirksbeirat Neckarstadt-West gefördert. Die Regie und Gesamtleitung hatte Limeik Topchi, der gemeinsam mit Birgit Schreiber auch das Drehbuch geschrieben hat. Über 60 Kinder, Jugendliche und Eltern der Neckarstadt-West sowie viele andere Mannheimer*innen arbeiteten vor und hinter der Kamera mit. Hauptdrehorte zwischen April und Oktober 2019 waren eine Tierarztpraxis in Mannheim-Schönau, die Baustelle in T 5, der August-Bebel-Park in Neckarau, der Paradeplatz, eine Boutique in der Neckarstadt-West und das Mannheimer Rathaus.

Den Trailer zum Film und weitere Informationen gibt es unter http://www.unser-theater.com

Filmvorführung “Das Goldene Mädchen” im Ida-Scipio-Heim | 18.10.2019

Ein bulgarisches Volksmärchen für Jung und Alt

Ein Mädchen wird nach der Heirat ihres Vaters auf Wunsch der Stiefmutter ausgesetzt. Doch im Wald findet sie Zuflucht bei einer alten Dame. Wenn ihr Wissen wollt, ob sie es wieder nach Hause schafft oder wieso das Märchen „Das goldene Mädchen“ heißt, dann lohnt es sich, diesen Film schauen. In dieser filmisch schlicht dargestellten Kinderversion des Volksmärchens aus Bulgarien wird das zentrale Motiv der Angst, die das kleine Mädchen verspürt, besonders durch den eingesetzten Drehort (Altes Volksbad) und die über Strecken des Films düsteren Lichtverhältnisse betont. Doch auch ihre Fürsorge und Freundlichkeit, für die das Mädchen steht, werden von der jungen Schauspielerin sehr gut umgesetzt. Man kann zudem die Freude, die die Kinder beim Spielen ihrer Rollen hatten, bei Tanz, Gesang und Musik des Ensembles wunderbar erkennen.

Besondere Merkmale: Geeignet für Kinder, Jugendliche und/oder Familie, Barrierefreier Zugang zum Veranstaltungsort, Barrierefreie Toiletten am Veranstaltungsort

Datum: 18. Oktober 2019
Zeit: 17:00 – 19:00
Eintritt: kostenlos

Veranstaltungsort

Ida-Scipio-Heim

Murgstr. 2-6
Mannheim, 68167

einander.Aktionstage 2019

Erfolgreiche Filmpremiere: „Das goldene Mädchen“ | 17.10.2018

Mannhem.de:

Mit anhaltendem Applaus würdigte das Publikum die schauspielerischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen sowie die Regiearbeit von Limeik Topchi. Der Film „Das goldene Mädchen“ feierte im Rahmen der einander.Aktionstage 2018 am 12. Oktober seine Filmpremiere im vollen Cinema Quadrat. Präsentiert wurde der Film von der internationalen freien Theatergruppe „Unser Theater“ und der Kinderbeauftragten der Stadt Mannheim, Birgit Schreiber.

Verfilmt wurde das bulgarische Märchen „Das goldene Mädchen“. Es handelt von einem Mädchen, das gezwungen wird, sich unter widrigen Umständen ein neues Zuhause zu suchen. Dieses Schicksal haben Kinder der Neckarstadt-West unter der Regie von Limeik Topchi 2017 auf klassische Art auf die Bühne gebracht. Der Film erzählt das Märchen neu. Das Dorf wurde zur Stadt und der Wald zu Kellerlabyrinthen. Der Film „Das goldene Mädchen“ wird zu einem modernen Märchen mit Witz, Charme, Groteskem und vielen weiteren Überraschungen.

Eine Zuschauerin fasst die Begeisterung des Publikums in wenigen Sätzen zusammen: „Theaterpädagogisch und künstlerisch topp! Super Kamera und Schnitt! Integrationsprojekt und gleichzeitig Sprachförderung!“ „Es ist rundum gelungen“, ergänzt Birgit Schreiber, die Kinderbeauftragte der Stadt Mannheim, „eine beachtliche Leistung von allen Beteiligten!“ Für den Regisseur Limeik Topchi ist es sein erster Film, auch als Kameramann. „Die Begeisterung des Publikums macht uns alle sehr glücklich“, so Topchi.

Der Film ist ein Projekt der internationalen freien Theatergruppe „Unser Theater“. Mitgewirkt haben Kinder, Jugendliche und ihre Eltern der Theatergruppe „TheaterSpielen für Alle“ vom Quartiermanagement Neckarstadt-West. Er entstand durch das Engagement von Limeik Topchi als Regisseur und Kameramann sowie durch Seffgi Topchi als Regieassistenz, Theaterpädagogin, Kostüm- und Maskenbildnerin. Den Schnitt übernahmen Tatiana und Artem Gratchev. Unterstützt wurde „Unser Theater“ von der Stadtteilinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit in der Neckarstadt und der Kinderbeauftragten der Stadt Mannheim.

Die „einander.Aktionstage 2018“ sind eine Veranstaltungsreihe zur Förderung und Wertschätzung der gelebten Vielfalt in Mannheim. Bis zum 27. Oktober finden stadtweit Veranstaltungen statt. Das Programm ist abrufbar unter www.einander-aktionstage.de.

Impromatch par excellence | 10.10.2018

Animus Klub Bericht:

Unser Theater präsentierte im Rahmen der „einander.Aktionstage 2018“ im Ida-Scipio-Heim die unglaublich lustige Performance „Alt und Jung spielen gemeinsam!“

Gemeinsam Theaterspielen mit den Bewohnern des Ida-Scipio-Heims in der Neckarstadt Ost, das war die Projektidee von Regisseur Limeik Topchi und der Leiterin Frau Petra Anton für die diesjährigen „einander Aktionstage“ – Gemeinsam für Zusammenleben in Vielfalt. Das partizipative und interaktive Projekt wurde vom vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.    


Diese Projektidee, die Theatergruppe „TheaterSpielen für Alle“ von Limeik Topchi in Kontakt mit den großteils betagten und gesundheitlich teilweise sehr stark beeinträchtigten Bewohnern des Heimes zu bringen, und mit diesen dann ein Theaterstück einzustudieren, war aber gleichzeitig auch ein ganz große Herausforderung für alle Beteiligten, denn je nachdem in welcher körperlichen oder geistigen Verfassung sich die Bewohner befanden, war eine Probe nicht an allen Tagen möglich, oder gestaltete sich oft auch sehr schwierig.

Dennoch war diese Aktion „Alt und Jung“ zusammenzubringen, sowohl für die Kinder und Jugendliche, als auch für die Senioren eine ganz besondere Erfahrung, und diese neue, und durchaus willkommene Abwechslung tat vor allem den Heimbewohnern sichtlich gut.

So waren wir sehr gespannt darauf, was Limeik Topchis interdisziplinäre Gruppe in einer relativ kurzen Zeit auf die Bühne gestellt hat. Niemand wusste genau, was uns in der nächsten Stunde für ein Theater erwarten würde. Sämtliche Akteure haben auf Wunsch des Regisseurs ein ganz großes Geheimnis daraus gemacht.

Um das Ganze in Fahrt zu bringen, und das Stück mit viel Herzblut zu untermalen, konnte Topchi keinen anderen gewinnen, als den Alleskönner Bernhard Wadle-Rohe, der gleich darauf das Rampenlicht mit einem Besen betrat, und bekannte Zitate aus Shakespeare und Goethe lautstark zum Besten gab. So verwandelte sich das berühmte „Sein oder nicht Sein“ aus Shakespeares Hamlet, ganz schnell in Goethes „Walle, walle manche Strecke, dass, zum Zwecke, Wasser fließe“, aus dem Zauberlehrling.

Während der Besen noch in rasender Geschwindigkeit vor der Bühne im Kreise herumtanzte, wollte es sein Protagonist diesem gleich tun, und bat die Kinder um einen Tanz. Doch ohne Musik war das irgendwie langweilig. Und so überreichte ihm gleich darauf ein kleiner und freudestrahlender Lehrling eine JBL-Bluetooth-Musikbox. Damit konnte der verdutzte Zauberer im ersten Moment allerdings nicht wirklich etwas anfangen, denn das Ding machte alles, nur keine Musik.

Hier schaffte der Lehrling mit seinem Handy blitzschnell Abhilfe, und wie durch ein Wunder ertönte Sekunden später eine coole Rap-Musik aus der Box, die sämtliche Kinder motivierte auf die Bühne zu kommen und zusammen mit dem Zauberer zu tanzen. Um allen Musikgeschmäckern gerecht zu werden, ertönten gleich darauf die berühmte Schlagernummer „Atemlos“ und der Kultsongs „99 Luftballons“.

„Lasst uns Theaterspielen!“, so der Vorschlag des Zauberers, und da die Kinder noch keine Klassiker, wie Hamlet, Faust, oder den Götz von Berlichingen kannten, und unbedingt weiter musizieren und tanzen wollten, entschied sich die Gruppe kurzerhand das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ aufzuführen.

Würdevoll begleiteten nun die kleinen Schauspieler die Heimbewohner auf die Bühne, um an der Seite des Moderators Bernhard Wadle-Rohe, die Sprecherrollen zu übernehmen. Der Esel zeigte sich allerdings von Beginn an als authentische und sehr störrige Persönlichkeit, und Frau Isolde Platz, die seinen Part als Sprecherin übernahm, glänzte mit unheimlich unterhaltsamen Bemerkungen, die sämtliche Akteure in herzhaftes Lachen versetzte.

Auch unser Vorsitzender Alexander Höfer bekam von Topchi spontan eine Rolle zugwiesen. Er durfte in dem Stück den Hahn sprechen. Es hieß also „Bühne-frei!“ für eine Impromatch-Vorführung, und wer unseren Vorsitzenden kennt, der weiß, dass er hier wirklich richtig gut ist, zumal er unzählige Sprachen spricht, Dialekte imitieren, und wenn es, so wie hier sein muss auch authentisch-klingende Tierstimmen nachahmen. 

Gleich darauf entstand eine Version der Bremer Stadtmusikanten, die die Welt in dieser Form noch nicht wirklich gesehen hat, und zwar mit einem coolen Esel, dessen Sprüche und Flüche nicht wirklich im Drehbuch standen, einem Hund, dessen Sprecher Gerhard Gögel ihn immer wieder herzhaft bellen ließ, einer dualen Katze, deren zwei Sprecherinnen Erna Brechner und Desiderata Busi sie wunderschön zum Singen brachten, und einer Horde wild gewordener Kinder, die versuchten zu diesem Szenario die Bremer Stadtmusikanten auf der Bühne darzustellen. Ach ja, das lautstarke und unglaublich authentische Krähen unseres ersten Vorsitzenden als Hahn, möchten wir hier natürlich auch nicht vergessen zu erwähnen.

Im Anschluss an das extravagante Stück wurde dann noch eine gemeinsame Singrunde initiiert, in der nicht nur die Bewohner, sondern auch die Akteure ihr Gesangstalent in einer Solo-Einlage unter Beweis stellen durften. Hier glänzte unser Vorsitzender mit einer außergewöhnlich-intonierten Operetten-Version des Volksliedes „Grün, grün, grün, sind alle meine Kleider!“

Fazit: Wir hatten an diesem Abend riesigen Spaß und formidable Unterhaltung, sagen den Verantwortlichen Limeik Topchi und der Leiterin Petra Anton recht vielen Dank für diesen tollen Abend und sind sehr gespannt darauf, wie sich dieses ehrenwerte Projekt „Alt und Jung spielen gemeinsam!“ weiter entwickeln wird. Eines ist bereits heute schon sicher. Wir sind beim nächsten Mal wieder mit dabei.